2018 - 06) An ordinary crazy day

August 28, 2018

 

 

Was wir heute alles in nur einem Tag erlebt haben, da schütteln wir selber immer wieder die Köpfe. Nicht nur wünschenswert Schönes, aber erlebnisreich war alles. Eigentlich viele kleine Abenteuerchen.

 

In der Nacht hätte es gemäss Wetterbericht heftig regnen sollen, deshalb haben wir vorsichtshalber ein Zimmer bezogen. Und zwar in Meeteetse, einem Dorf mit knappen 300 Einwohnern, welches genau zwischen zwei grösseren Städtchen in der Steppe liegt. 70 km gegen beide Seiten. Aber das ist eigentlich alles gar nicht so wichtig. Wichtig ist bloss, dass der Regen ausgeblieben ist. Dafür war es am Morgen ver. . .  frisch. Etwa 50 Fahrenheit. Hinzu kommt der ver . . .  Wind, der ab und zu gar Töfffahrer zu Boden wirft (nein uns nicht, wir sahen nur zu).  Der Himmel ist schwarz und es sieht irgendwie nicht einladend aus, aufs Moped zu steigen. Aber wir taten, was wir in solchen Fällen immer tun: Alles auf die leichte Schulter nehmen und trotzdem starten.

 

Abgesehen vom sch . . Wind und der sch . . Kälte und den doo. .   dunklen Wolken waren die ersten Meilen verblüffend schön. Wenn auch der Wunsch nach einem Frühstück (das gab es in Meeteetse nicht) die Laune nicht positiv beeinflusste.

 

Irgendwann vor dem nächsten Städtchen Thermopolis, hab ich auf dem GPS spontan eine kleine Zusatzschlaufe entdeckt, die doch auch noch ganz schön wäre. Zu vermerken wäre vielleicht noch, dass wir beide schon eine ganze Weile mit ziemlich leerem Tank und ziemlich penetranten Warnleuchten unterwegs gewesen sind. – Wir haben uns kurz beraten und dann getan was man in solchen Situationen am besten tut: Alles auf die leichte Schulter nehmen und auf die Schlaufe fahren. Es hat sich auch gelohnt. Plötzlich verwöhnte uns die Sonne, die Gegend war wunderschön und schon viele Antilopen kreuzten unseren Weg. Nach einer Weile gab es dann aber weniger Antilopen, dafür mehr Ölförderanlagen. Es sah aus wie in Texas. Natürlich sind wir den Männchen mit Helm aufgefallen wie rote Hunde (obschon wir ja auch einen Helm getragen haben). Und natürlich haben wir angehalten für einen kleinen Schwatz. Aber das ist nun auch wieder nicht allzu wichtig.

 

Wichtig ist, dass wir es mit unserem Reserve-Benzinkanister schliesslich bis Thermopolis geschafft haben und dort um etwa 11 Uhr endlich Frühstück bekamen. Aber nicht nur das. Wir bekamen auch die Info, warum das Städtchen einen so verheissungsvollen Namen hat: Thermische Quellen, den Rest der Erklärungen hab ich nicht verstanden. War wohl auch wieder nicht so wichtig. Wichtig ist, dass wir das kostenlose Thermalbad genau dann gefunden haben, als die dunklen Wolken sich wieder über uns schoben und die Welt aussah, als würde sie nun doch untergehen. Wir also schwupp ins Thermalbad und bei 40 Grad schwitzen. Uff, das erste mal an diesem Tag richtig warm.

 

Eine Stunde später sitzen wir wieder auf dem Sattel und freuen uns, dass wir dem Regen ein Schnippchen geschlagen haben, denn die dunkelsten Wolken sind nun nicht mehr über uns, sondern dort, wo wir hin wollen (und auch dort wo wir hergekommen sind) (also eigentlich fast überall ausser über uns). Aber das ist nun wieder nicht mehr so wichtig. Wichtig ist, dass wir trotz dem mittlerweile aufgekommenen Verlangen nach einem Mittagessen die Weiterfahrt angefangen haben.

 

Zuerst in einen engen, tiefen Canyon hinunter, den Wind River Canyon. Links von uns ist der Fels, rechts von uns – weiter unten – der Fluss und auf der gegenüberliegenden Seite auf ähnlicher Höhe wie wir ein Bahntrassee und dann wieder der Fels, der steil nach oben ragt. Und wie erwähnt geht es mit vielen Kurven ziemlich krass bergab. Aber was auf welcher Seite ist, ist eher wieder unwichtig. Wichtig ist, was jetzt kommt. Das ist nun wirklich wichtig. Und ganz ehrlich gesagt, mysteriös. Plötzlich fällt mir nämlich auf, dass der Fluss in die falsche Richtung fliesst. Der fliesst uns entgegen! Ich verstehe dies bis zum aktuellen Zeitpunkt nicht. Auch Moni, die ich sofort über meine Beobachtung informierte, glaubte mir auf Anhieb kein Wort, musste sich dann aber der Beobachtung anschliessen. Gerne wäre ich der Sache auf den Grund gegangen, aber aufgrund der dunklen Wolken, die uns im Nacken gesessen sind, wollte ich Moni nicht vorschlagen umzudrehen. Ich hätte es wohlmöglich mit einem anderen Mysterium aufgenommen. ;)

Jetzt überspringe ich ein paar Stunden. Ich will mich ja schliesslich kurz fassen ;)

 

Am späten Nachmittag sind wir auf einer wirklich sehr einsamen Strasse unterwegs. Etwa eine Stunde sehen wir nur Hügel, ab und zu ein einsames Rind, manchmal ein paar Antilopen oder auch mal ein Pferd. Nur weit vor uns sehen wir ab und zu ein weisses Auto. Der Seitenwind peitscht uns, so dass wir es lange nicht wagen anzuhalten. Das Risiko im Stand umgerissen zu werden, ist zu gross. Aber die Temperatur fällt und fällt, und ich muss dringend etwas mehr anziehen. An der einzigen vernünftigen Stelle, wo Anhalten etwas besser erscheint, steht auch der weisse Wagen. Heraus steigt ein Mann, der zweifelsfrei vom indischen Kontinent stammt. Das ist zwar hier bereits etwas komisch, aber was er für Kleider trägt, haut die Geiss um: Er trägt die Kleider, die soweit bekannt in Operationssälen getragen werden. Er kommt auf mich zu und stellt sich mir mit einem warmen Händedruck vor. Ich betone den warmen Händedruck, ich hatte ja scheisskalt. Ich wollte seine Hand schon gar nicht mehr loslassen. Vermutlich hab ich ihn etwas verwirrt angestarrt, denn schnell bestätigt er, dass er aus Nepal stammt, hier aber in einem Spital arbeitet.

Jetzt stellt euch mal diese Situation aus der Vogelperspektive vor: Eine hügelige Steppe von 100 km x 100 km. Nur eine Strasse durchquert die Einöde. Und da treffen zwei Schweizer, die schlotternd vom Moped steigen, auf einen Nepalesen im Operationsgewand. Ist ja logisch, wo soll man denn sonst einen Nepalesen im Operationsgewand suchen, wenn nicht hier, hä?

 

Nochmals viel später treffen wir kurz vor Sonnenuntergang in Jeffries City ein. Früher wurde hier in einer nahen Mine Plutonium abgebaut. Als die Mine etwa 1980 geschlossen wurde, starb auch dieser Ort weitgehend. Die alte Kirche – so habe ich gelesen – wird den Velofahrern kostenlos als Unterkunft angeboten. Also Tourenfahrern, die von Küste zu Küste oder von Kanada nach Mexiko radeln. Wir dachten uns, dass man da bestimmt interessante Leute treffen kann. Und zwei Räder haben wir ja auch. Also schauen wir mal, ob wir da auch übernachten können. Meine Informationen waren soweit richtig, nur unvollständig. Die Kirche wird von diesen Individualisten rege genutzt. Doch wir realisierten sehr schnell, dass wir dort nicht so viele interessante Gespräche wie Schaben, Filzläuse oder Fusspilz finden würden. Und in einem Schlafsaal mit 20 Schnarchnasen? So sehr mochte ich die Zivilschutzanlagen zu Hause auch wieder nicht. Zumal diese wenigstens sauber gewesen sind.

Wir versuchen also mit entschuldigenden Worten möglichst höflich wieder aus der Situation rauszukommen. Ich bin sicher, die zwei Hosts durchschauten uns sofort, aber was soll's. Das ist ja nun wieder nicht so wichtig.

 

Wichtig ist jedoch die nächste Erkenntnis: Aussen ist nicht gleich innen! – In dieser Semi-Ghost-Town gibt es tatsächlich noch ein Motel. Wir fahren durch die Einfahrt und mich trifft der Schlag. Das sieht ja von aussen noch verfallener aus als die Kirche von innen aussah. Oder anders ausgedrückt, wie eine Barackensiedlung, die vor Jahren verlassen wurde. «Nee nee Moni, rechts umkehrt» gebe ich durchs Mikrofon. Dank Google wissen wir jedoch schnell, dass es keine Alternative gibt. Und die Sonne verschwindet jeden Moment am Horizont. Schnell lesen wir noch die Rezessionen über dieses Etablissement. Hmm, kann das ein Missverständnis sein? Da wird kräftig gelobt. . . . .

 

Na gut, es geht ja nicht anders. Also schauen wir uns das genauer an. Die Gastgeber empfangen uns wie alte Freunde. Nach ein paar Augenblicken stehen wir bei ihnen in der Küche. Wir dürfen ein Zimmer inspizieren und sind krass verblüfft. Das sieht massiv besser aus, als in manchen früheren Nächten. Es ist sehr sauber, duftet nach frisch gewaschenen Tüchern, und ist gut geheizt. Da wir offenbar die einzigen Gäste sind, muss man auch nicht Angst haben, dass man laute Nachbarn erwischt. Kaum haben wir zugesagt, bringt uns die Gastgeberin noch selber gebackenen Kuchen und ihr Partner zeigt uns auf Bildern die grossen Fische, die er neulich in Alaska an Land gezogen hat. Aber das ist nicht so wichtig.

 

Wichtig ist unser Erlebnis im benachbarten Restaurant. Da wird unsere «Geschmeidigkeit» total auf die Probe gestellt. Wir treten in das Restaurant ein und sind – nach diesem Tag – auf alles gefasst. Aber doch nicht auf das, was wir sehen. Die Bude sieht aus, als wäre sie vor 10 Jahren verlassen worden, in der Zwischenzeit zum Teil zerfallen und zum Teil geplündert. Nur heute wurde nochmals das Licht eingeschaltet. Wahrscheinlich extra für uns. An der Bar hängen zwei offenbar eingeschlafene – vielleicht auch tote – Gestalten. Und hinter der Kasse sitzt ein Mann in zerrissenem Hemd inmitten von irgendwelchem Müll und guckt in ein Tablet-Computer. Wir setzen uns an einen der zwei verbliebenen Tische im Raum.  Der Typ bei der Kasse ist erwacht und fragt uns sehr höflich, aber mit verdächtig starrer Zunge, was wir trinken möchten. Fast zugleich schaukelt ein weiterer Mann aus einem hinteren Raum hinein. Auch bei ihm hegen wir schnell den Verdacht, dass es für seinen Kurvenschritt einen Grund geben muss. Er stellt sich uns sehr höflich als den Koch dieser Gaststätte vor. Wie das Essen schmeckte, die phantasievolle Präsentation, auf das gehe ich hier gar nicht ein.

 

Es ist nun 15 Minuten vor Mitternacht, sozusagen vor Geisterstunde. Ich sitze im Bett unseres speziellen Motels und schreibe diese Zeilen. Wenn ich morgen erwache, und diese Beiz am andern Ende der Strasse gar nicht existiert, dann würde ich mich überhaupt nicht mehr wundern. Im Gegenteil, ein Traum wäre die beste Erklärung für diesen letzten Teil der Geschichte. Dann hätten wir eine Geistergeschichte in einer Geisterstadt erlebt.

Gute Nacht.

 

 

You cannot imagine what all happened to us in one day; we're still wondering. Not only nice things, but adventurous was all of it.

 

Weather app said it will rain, so we booked a room in a motel, in Meeteetse, a little village with approx. 300 habitants, and inbetween two bigger villages; 45 miles on both sides. But this is not the important part. Important is, that it didn't rain. And it was f.... cold in the morning. Approx. 50 degrees. And this f..... strong wind, that blew bikers off their vehicle (not us, we just saw them fall). The sky is dark and it doesn't look very funny to get on the bikes. But we do what we always do in such situations: just go ahead.

 

Apart from f.... wind und f .... cold and f .... dark clouds the first miles on the road where really pretty. Although the wish to have breakfast didn't improve our mood (there was no chance to have a meal in Meeteetse).

 

Some miles before reaching Thermopolis, the next village, on GPS I saw a nice additional road to drive. I have to mention that by this time we both were already running on spare gas and warning lights were flashing. - We discussed and we did what we always do in such situations: just go ahead. Suddenly the sun came out, the landscape was amazing and lots of antelopes crossed our way. As we drive on there were less antelopes, but more oil pumps. It looked like in Texas. Of course we had a short chat with the men wearing helmets (as we did). But this is not the important part.

 

Important is that we made it to Thermopolis with the little rest of gas and about 11 am we had breakfast. And we were also told why the village is named so: hot springs, and the rest of it I didn't understand. But this is not important either. Important is that we found the free thermal bathhouse just in that second, when dark clouds covered the sky and the world looked like armageddon. We jumped into 104 degrees hot water, and this was the first moment of the day we felt warm.

 

One hour later we were on the road again and glad we didn't get wet from above. The darkest clouds aren't above us anymore, but we saw them in the direction we should head to (and also there where we came from) (means actually everywhere except right above us). But this is not important anymore. Important is that we felt having lunch, but we went on.

First along a narrow deep canyon, the Wind River Canyon. To the left there are rocks, to the right - below us - the river and on the other side on same hight as us the railway track and steep rock face. And as mentioned the highway is really steep and curvy. But what belongs on every side is not the important part. Important is what I tell you now. And it is really important. And mysterious. I recognize that the river is flowing in the wrong direction. It flows against us. This I don't understand at all till today.

I talked to Moni, and also she didn't believe me first, but then she had to confirm. I would have liked to get to the bottom of this mystery, but because of the dark clouds behind us I didn't want to ask Moni to make an U-turn; probably I would have had another mystery. ;)

 

To make it short, I skip some hours. ;)

 

In the afternoon we are on a really lonely road. For approximately one hour we only see hills, sometimes a lonely cow, sometimes some antelopes and sometimes a wild horse. And far in front of us a white car. The wind is stormy, we cannot stop. We risk to get blewed off the bike. But the temperature is falling, I need to get some warmer gear on. At the only possible spot where we can stop there is also the white car stopping. Out of the car gets a man who looks like somebody from the Indian continent. This is already quite strange, but the clothes he wore were the clou: he wears clothes they are usually worn in the surgery. He comes towards me and shakes warm hands. I think I hold his hand a little too long, I didn't want to let go, because I had freezing cold hands. He fast answers that he is from Nepal and that he works at the hospital.

Now imagine this situation from a bird's eye view: a hilly steppe of 60 x 60 miles. Only one road through this wasteland. Two Swiss bikers who meet here a Nepalese in surgery clothes. All right, where else would you search for a Nepalese in surgery clothes??? Where??

 

Some hours later we reach Jeffrey City. Some years ago there were plutonium mines here. And as in 1980 the mines closed, the village dies out also. I have read that the old church is now a free cyclist hostel, means for cyclist who drive from coast to coast or from Canada to Mexico. So we thought as we have two wheels too, we could stay overnight there as well, and have some talking with interesting people. My informations about the place were right, but incomplete. These individualists are making use of this offer really often. But we quick realized that we only will talk about cucarachas, crabs or foot fungus. And to sleep in a hall with other 20 snorring people? No thanks, I didn't like my military time in civil protection bunkers so much that I would need it. But I have to notice that these were much cleaner than the church.

We apologize and say goodbye again, but I'm sure that the two hosts knew that we're not coming back. But this is not important at all.

 

Important is the next experience. The outside doesn't look like the inside! In this semi-ghost town there indeed was a motel. Just entering in the driveway I almost dropped my bike. It looks much more ruined than the church from the inside. Or as I would say, like hut baracks, which were abandoned years ago. "No, no, Moni, let's hit the road", I say through helmel microfon. But with google we learn, there is no alternative staying overnight. And within some minutes the sun will disappear. Very quickly we read the reviews on facebook, and we couldn't believe people were talking about the same place we just saw in front of us.

Ok, let's try it. Knock, knock, the hosts open the door and welcomed us like old friends. Some moments later we are standing in their kitchen; and we could have a look at one of the rooms they let. And what a surprise, it looks better than some of the rooms we had other nights, it's clean and it smells fresh. And as we are the only guests, we don't have to be afraid to have noisy neighbours. As soon as we've paid the hosts gave us some fresh baked peach crumble, and showed us pictures of the halibut he just fished in Alaska. But this is not important, too.

 

Important is the experience we made in the only restaurant around the corner. After this day we are prepared for a lot of things, but not of what we see after entering into the bar. The shack looked like it was abandoned for the last 10 years, fallen into ruin in the meantime and plundered. And just tonight they switched on the lights, for us probably. At the bar there were sitting two characters, we didn't know if dead or alive. And behind the cash desk sits a man with a shredded shirt in the middle of trash and looks into an I-Pad.

So we sit down and the man behind the desk awakes and with heavy tongue he asks us what we would like to drink. And an eye blink later another character weaved from another room and said he's the cook. I don't tell you here how the meal tasted nor how it was presented.

 

It is now 15 minutes before midnight (witching hour), and I sit on the bed in our special room and I'm writing this comment. In the morning when I wake up and this bar at the other end of the road doesn't exist, I wouldn't be surprised. No, on the contrary this would be the best explanation for the last part of this story. We would have a ghost story to tell which happened in a ghost town.

Good night.

 

PS: Reihenfolge der Bilder nicht chronologisch. 

 

 

 

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